|
Torres del Paine – Circuit Trekking-Abenteuer am Ende der Welt ...Wir überfliegen das faszinierende Patagonische Inlandeis, das einer weissen Wüste gleicht und die mich in ihren Bann zieht. Am Flughafen in Punta Arenas angekommen, nimmt uns gleich Christian Moser von MOSER active persönlich in Empfang. Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter....eine kräftige Windböe, gefolgt von ihren nicht minder nachdrücklichen Schwestern, fegt über den Vorplatz und droht, mich mitzureissen. Ich lehne mich mühsam gegen sie und erhasche einen Blick auf die pastellfarbene Pampa. Lange Wolkenbahnen ziehen erstaunlich leicht und schnell über unseren Köpfen hinweg und werden Teil des beeindruckenden Windspiels in den endlosen patagonischen Weiten. Himmel und Erde scheinen sich hier am Ende der Welt viel näher zu sein. Mit dem Bus machen wir uns auf zur Pinguin-Kolonie am Seno Otway, wo zahlreiche Exemplare dieser niedlichen tollpatschig wirkenden Tierchen vor uns hertummeln. Nach einem Erfrischungshalt an der gemütlichen Hosteria Rio Rubens erreichen wir schliesslich das kleine Hafenstädtchen Puerto Natales. Am nächsten Morgen steht uns endlich die langersehnte Reise in den Torres del Paine Nationalpark bevor. Auf der ca. 2 stündigen Hinfahrt beobachten wir ständig frisch geschorene Schafe, die zusammengekauert hinter kargen Büschen vor dem Wind Schutz suchen. Zahlreiche Bewohner der rauen Steppe, wie z.B. die Ñandus und Guanakos, stehen unbeindruckt am Strassenrad und schauen unserem Bus hinterher. Auch die Wettergötter sind uns am heutigen Tage wohlgesonnen und schenken uns ein unvergessliches Bild: Vor uns erheben sich plötzlich die drei imposantenTorres-Spitzen, die sich im ruhigen Gewässer der Laguna Amarga wiederspiegeln. An der Hosteria Las Torres angekommen, treten wir dann unseren Marsch in die entlegenen Teile des Torres del Paine-Parks an. Unser erstes Ziel ist das Campamento Seron – ein ehemaliges Puesto. Zu Beginn noch geplagt von dem Gedanken, etwas Wichtiges vergessen haben zu können, verschwende ich kurze Zeit später keinen Gedanken mehr daran. Zu faszinierend ist die unbeschreibliche friedliche Ruhe, die uns umgibt und die jegliches Gefühl des stressigen Alltags schwinden lässt. Keine brummenden Motoren, keine vorbeieilenden Menschen oder andere Geräusche der Zivilisation, die für uns mittlerweile schon zur lästigen Gewohnheit geworden sind. Wir können die Stille dieser endlos scheinenden Landschaft regelrecht „hören“, während Andenadler über uns hinwegsegeln. Unzählige wundersame Pflanzen und Blumen umgeben uns, die in ihrer schönsten Blüte stehen. Das Bild dieser kraftschöpfenden Landschaft wird besonders durch den Calafate-Strauch mit seinen dunkelblauen Beeren geprägt. Die Legende besagt, dass derjenige, der von dieser verlockenden Beere kostet, wieder an diesen Ort zurückkehren wird. Ein verfüherischer Gedanke... Die Hütte am Campamento Seron wird von einem alten Gaucho bewirtet, der uns Zuflucht gewährt, als die Kälte der Nacht einbricht. Ein alter uriger Ofen beheizt die kleine gemütliche Hütte und dient auch als Kochstelle für unser Abendessen. Der Baqueano mit dem braungebrannten, vom Wind und Wetter gegerbten Gesicht zaubert uns ein rustikal zubereitetes Asado mit selbstgebackenem Brot, welches das Häuschen mit einem verführerischen Duft erfüllt. Nachdem wir zusammen den traditionellen Mate-Tee genossen haben, kriechen wir zufrieden in unsere Zelte unter dem klaren Sternenhimmel. Wieder haben wir einen sonnigen Tag erwischt, allerdings bekommen wir den Wind heute stärker zu spüren. Wir steigen einen geschwungenen Pfad hinauf, um einen kleinen Pass zu erreichen und werden, oben angekommen, eindeutig für unsere Mühen belohnt. Vor uns eröffnet sich auf einmal unerwarteterweise ein langes atemberaubendes Tal, in das der Lago Paine gebettet ist. Paralell zum milchig -grünen Paine-Fluss wandern wir in Richtung Dickson Gletscher. Fast am Campamento Dickson angekommen, können wir uns kaum von einem Aussichtspunkt losreissen, der uns freie Sicht über das fantastisch gelegene Camp, den Lago Dickson und den Gletscher bietet. Die enormen weiss-blauen Eismassen des Gletschers wälzen sich dynamisch zwichen den Berghängen hervor und bilden einen einmaligen Kontrast zu dem dichten Grün der bewachsenen steilen Felswände. In Mitten dieser Oase direkt am See, in dem enorme Eisblöcke treiben, befindet sich das Camp. Am nächsten Morgen krabbel ich aus meinem Zelt und stehe erstaunlicherweise unmittelbar einem der freilaufenden Pferde gegenüber, die friedlich grasend die Nacht neben unseren Zelte verbracht haben. Voller Wehmut verlassen wir unser idyllisches Camp und dringen immer tiefer in einen grünen Südbuchenwald vor. Überall liegt von Wind und Wetter geschütteltes Holz, das sich in wilden und fabelhaften Formationen neu gestaltet hat. Der Wind streift durch die Bäume und entlockt ihnen immer wieder ein geheimnisvolles Knarren, das uns in die unwirkliche Welt der Märchen und Sagen entzieht. Von einer kleinen Holzbrücke aus, die uns über eine Schlucht führt, bekommen wir schon den ersten eindrucksvollen Blick auf den Perros Gletscher, dem wir schliesslich etwas später gegenüberstehen. Einem Brautschleier ähnelnd fächert der Gletscher sein Eis über die schroffe Felswand. Wie Hänsel und Gretel folgen wir dann den markierten Steinen, bis schliesslich das Hexenhaus am Perros Camp vor uns auftaucht. An einem rauschendem Fluss mit hochgewachsenen schützenden Bäumen schlagen wir unser Zelt auf und begeben uns in den einfachen Holzverschlag, um uns an einem Feuer zu wärmen. An dieser Stelle mussten schon viele Abenteuerer umkehren, da der „Viento blanco“ - ein gefürchteter Schneesturm - die Überquerung des John Garner Passes verhindert hat. Ein Blick auf den sternenklaren Himmel lässt uns hoffen, dass Frau Holle ihre Kissen diese Nacht nicht schüttelt und uns den Aufstieg erleichtert... Früh morgens blicke ich aus dem Zelt und ein frischer Wind streift mein Gesicht, aber es scheint zum Glück trocken zu sein. Höchst gespannt, was der heutige Tag zu bieten hat, machen wir uns auf den Weg und waten durch ein schlammiges, teilweise noch schneebedecktes Gebiet. Es kostet uns viel Kraft, uns gegen den Wind den Berg hochzukämpfen. Allerdings verrät uns hin und wieder ein Blick zurück, das der Passübergang nicht mehr weit sein kann. Oben angekommen, trauen wir unseren Augen nicht: Vor uns erstreckt sich eine kilometerlange weisse Eiswüste, die mit ihren tiefblauen geschwungenen Spalten und Rissen die Gestalt eines ewigen Meeres annimmt. Die Wolken werfen ihre schwarzen Schatten auf das ewige Eis des Grey Gletschers, während wir abwärts wandern. Auf schmalen Pfaden und an steilen Felshängen vorbei geht es zum Campamento Grey. Nachdem wir einige Holzleitern und morsche Brücken überquert haben, bei denen wegen der starken Windböen stets grösste Vorsicht geboten ist, kommen wir dann schliesslich erschöpft, aber sehr glücklich am Camp an. Am nächsten Tag wollen wir bis zum Campamento Paine Grande wandern, das am wunderschönen türkisfarbenen Lago Pehoe und am Fusse des Paine Grande (3050m) liegt. Auf dem Weg dorthin taucht plötzlich dirket über uns ein Condor auf, der majästetisch am Himmel kreist. Ein unbeschreibliches Gänsehautgefühl überkommt mich. Es scheint, als müsste ich nur die Hände ausstrecken, um ihn zu berühren. Aber sogleich steigt er auch schon in unerreichbare Höhen auf und segelt davon, als hätte er meine Gedanken gelesen. Am darauffolgenen Tag regnet es und der Wind treibt uns auf dem Weg zu unserem nächsten Camp erbarmungslos das Wasser in die Augen. Doch zum Glück ist das patagonische Wetter unberechnebar und so bläst der Wind die schwarzen Eminenzen schon bald weiter und lässt die Sonne auf uns niederlachen. Unser Campamento befindet sich idyllisch am Fusse der Cuernos direkt am Ufer des azurblauen Nordenskjöld-Sees. Die Cuernos ragen im geheimnissvollen Abendrot über unseren Köpfen in den Himmel, während wir beobachten können, wie der Wind über den See peitscht und wunderschöne Wasserwindrosen bildet. Am gegenüberliegenden Ufer sind langgestreckte grüne Hügel zu sehen, die an die schottischen Highlands erinnern. Der Abend endet in einer gemütlichen Runde im Refugio, wo ein gutgelaunter Chilene spontan seine Gitarre auspackt und für folklore Stimmung sorgt. Wir wollen diesen bezaubernden Ort gar nicht verlassen, aber die Neugier unser Abenteuer weiterzubestreiten, kribbelt uns zu sehr in den Füssen und so sieht man uns am nächtsen Tag wieder mit unseren Rucksäcken durch die Landschaft streifen. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass sich hinter den glattpolierten Felsen geschmeidige Pumas verbergen, die bei Einbruch der Dunkelheit aktiv werden und ihrem Beutetrieb folgen. Und tatsächlich finden wir auf unserem Weg ein gerissenes Guanako. Christian rekonstruiert anhand der Spuren den unmissverständlichen Tathergang. Mit einem flauen, aber irgendwie faszinierenden Gefühl im Magen setzen wir unsere Wanderung bis zum Refugio und Campamento Las Torres fort. Kaum zu glauben, dass hier vor einer Woche unser unvergleichliches Trekking-Abenteuer begonnen hat. Die Zeit verging wie im Flug und trotzdem kommt es mir vor, als sei es eine halbe Ewigkeit gewesen. Doch zum Glück ist unsere spannende Entdeckungstour noch nicht vorrüber. Eines der grossen Highlights steht uns noch bevor....die Torres-Türme sind schon in greifbarer Nähe. Wir verbringen die letzte Nacht im Zelt und ich stelle fest, dass ich es schon etwas vermissen werde, mit den beruhigenden Geräuschen der Natur einzuschlafen. Am kommenden Tag machen wir uns auf in Richtung Torres-Spitzen und laufen durch das Ascencio-Tal. Bei unserer Erholungspause am Campamento Chileno reiten zwei traditionell gekleidete Gauchos wie Nomaden mit ihren bepackten Pferden in Richtung Camp, um es mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Nachdem wir dieses eindrückliche Bild genossen haben, geht es an steilen Hängen entlang immer näher zu unserem Ziel. In den Waldstücken sieht man hin und wieder vom Wind eingedrehte Baumstämme, die Lakritzenstangen ähneln. Danach überwinden wir ein Blockgelände, welches uns zu einer kleinen Lagune führen soll. Es bedarf grosser Mühe und Konzentration, doch ehe wir uns versehen, stehen wir auf einmal den fabelhaften Granit-Türmen direkt gegenüber. Zu unseren Füssen liegt ein graubraunes Gewässer, das teilweise eisbedeckt ist und als hätten wir die Uhr gestellt, zieht sich der Wolkenvorhang hoch und die Vorstellung beginnt. Nun haben wir haben freie Sicht auf die Hauptdarsteller dieses anmutigen Naturschauspiels: Drei schroffe scharfe Granitnadeln, die erhaben in den Himmel ragen. Wir setzen uns windgeschützt vor die Torres und mit wenigen Worten geniessen wir diesen unvergesslichen Moment, bevor wir wieder über die Geröllhalde absteigen. Unsere abwechslungsreiche und unvergleichliche Torres-Umrundung hätte nicht schöner enden können. Von all unseren Eindrücken der letzten Woche beflügelt, scheint der Abstieg wie von selbst zu laufen. Im Refugio Las Torres stossen wir dann nochmal mit einem kühlen patagonischen Bierchen (Cerveza Austral – unbedingt probieren!) auf unsere gelungene Trekkingtour an. MOSER active hat uns eine unvergessliche Woche ermöglicht und für eine angenehme Reise-Atmosphäre gesorgt. Gerne werde ich an diese aussergewöhnliche Umrundung zurückdenken, die wir letzten Endes erfolgreich mit unserem Guide abgeschlossen haben. Mit einem weinenden Auge warten wir dann auf den Bus, der uns zurück in die Zivilisation nach Puerto Natales bringen soll... Karen S. – Kempten, Alemania Seite ausdrucken |